2 Dinge, die du über Hochsensitivität wissen solltest

Beim ersten Elternsprechtag in der Grundschule teilte mir die Lehrerin meines Sohnes mit, dass er in neuen Situationen etwas überfordert zu sein scheint und viel weinen würde. Daraufhin erklärte ich ihr, dass er hochsensitiv sei und dies sein normales Verhalten bei Reizüberflutungen sei.

 

Ich verlangte niemals, dass er in Watte gepackt wird, denn wir hochsensitiven Menschen müssen einfach lernen, mit unserer ausgeprägten Wahrnehmung und den vielen Eindrücken angemessen umzugehen. Das geht nun mal nur, wenn man mit entsprechenden Situationen konfrontiert wird, learning by doing, sozusagen.

 

Meine Information an die Lehrerin sollte dazu dienen, dass sie versteht, warum er so ist und dass man bei ihm mit "Druck aufbauen" in der Phase der Reizüberflutung, keinen Stimmungswechsel oder Motivation zum Arbeiten erwarten könne.

 

Sie allerdings schien mir das nicht zu glauben, Eltern erzählen ja viel, wenn der Tag lang ist. Daher sprach sie eine Entwicklungsstörung als mögliche Ursache an und dass sie das sicherheitshalber mal abklären wolle. Es war natürlich nur gut gemeint von ihr. Trotzdem fand ich es schade, dass sie das Thema Hochsensitivität direkt abgeblockt hatte.

unscharfe Blumen im Hintergrund

1. Hochsensitive Wahrnehmung bedeutet: Reizüberflutung ist vorprogrammiert

Hochsensitive Menschen nehmen mehr Reize wahr, als "normal fühlende" Personen: Sie sehen Kleinigkeiten, an denen andere unbemerkt vorbeigehen oder nur beiläufig beachten, sie nehmen Geräusche und Gerüche intensiver wahr und sie empfinden neben ihren eigenen Gefühlen auch die Gefühle und Stimmungen der anderen. Schwer vorzustellen für nicht hochsensitive Menschen, oder?

 
Ein Vergleich, der den Unterschied der Wahrnehmung deutlich macht:

Die großen Werbeplakate am Straßenrand müssen schnell eine Information vermitteln: Im Vorbeifahren haben wir nicht die Zeit für eine ausführliche Betrachtung, also schnappen wir nur die wichtigsten Informationen auf, zum Beispiel: Neueröffnung, Bäcker, am Samstag um 8 Uhr.

So verarbeiten "normal Wahrnehmende" ihre Eindrücke: Nur das Wichtigste wird abgespeichert.


Um die Wahrnehmung eines hochsensitiven Menschen zu verstehen, stell dir vor, du läufst auf dieses große Werbeplakat zu, bleibst davor stehen und betrachtest es dir aus der Nähe. Du nimmst nun bedeutend mehr Informationen wahr: Du entdeckst neben den wichtigsten Informationen nun auch noch die Details im Einzelnen: Wie die Produkte (Brötchen) in Szene gesetzt wurden, das Logo, den Schriftzug, die schwungvolle Schriftart, sowie die einzelnen Farben. Wenn du nun noch näher an das Plakat herantrittst, kannst du sogar erkennen, dass die Farben im Bild aus einzelnen, winzigen Farbpunkten zusammengesetzt wurden.

Ähnlich wie in diesem Beispiel, nehmen hochsensitive Menschen wahr: Sie schnappen ALLE Informationen auf, weil ihre Wahrnehmung viel detailreicher ist. So viel wahrzunehmen, kann die eigene Gefühlswelt ziemlich durcheinander bringen: Eine Reizüberflutung ist also vorprogrammiert.

 

Hochsensitive Menschen spüren, dass sie "anders" sind und intensiver wahrnehmen, als die meisten Menschen in ihrem Umfeld, wissen aber oftmals gar nicht, warum das so ist. Gerade für Kinder kann das total überfordernd und verunsichernd sein. Umso wichtiger ist es, dass wir sie als Eltern an die Hand nehmen und ihnen behutsam dabei helfen, die (Gefühls-)Welt zu verstehen.

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2. Auch Kinder können lernen mit ihrer Hochsensitivität umzugehen

Wenn zu viele Eindrücke, beziehungsweise "Informationen" auf ein hochsensitives Kind treffen, ist es oft reizüberflutet. Die Folgen bemerken wir schnell: Das Kind kann sich nicht konzentrieren, zappelt nervös herum, beginnt frech zu werden, oder aber es beginnt zu weinen, klagt über Bauch- und Kopfschmerzen oder es wirkt abwesend und verträumt.

 

Schnell wird ermahnt, geschimpft oder sogar eine Entwicklungsstörung und AD(H)S hinter diesen Symptomen vermutet.

Natürlich ist es wichtig, der Ursache auf den Grund zu gehen und dabei nichts zu übersehen. Allerdings sollte bei dieser Überprüfung die Möglichkeit einer hochsensitiven Wahrnehmung nicht unbeachtet gelassen werden.

 

Was geht im Kopf hochsensitiver Kinder vor?

Hochsensitive Kinder haben oftmals Probleme in neuen Situationen. Wenn etwas von ihrem gewohnten Tagesablauf abweicht, verunsichert sie das. Wichtig ist hier einfühlsam auf die Gefühle der Kleinen einzugehen: mit Ruhe, Verständnis und ganz viel Liebe.

 

Um die Reizüberflutung einzudämmen, kann es helfen, wenn man die Kinder vorbereitet, auf das, was bevorsteht (Umzug, Schulwechsel, Feier, Ausflug,...). Dabei können unter anderem auch die passenden Bücher helfen: Es nimmt die Angst vor einer neuen Situation und gibt erste Einblicke auf das, was auf sie zukommt.

 

Sobald die Kinder etwas älter werden, beginnen sie selbstständig damit, bevorstehende Ereignisse immer wieder im Kopf durchzugehen, um sich auf mögliche eintreffende Ereignisse vorzubereiten. Sie fragen sich: Was könnte passieren? Was könnte man mich fragen? Wie reagiere ich am besten darauf? Kann mir jemand dabei helfen?

 

Natürlich gehen sie auch Situationen im Kopf durch, die niemals eintreten werden. Dennoch ist diese Vorbereitung für sie wichtig, damit sie sich sicher fühlen und auf alle möglichen "Überraschungen" eingestellt sind.

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Fazit

Von Hochsensitivität sind Kinder wie auch Erwachsene betroffen.

Diese Personen fühlen mehr und nehmen detaillierter wahr, als andere Menschen. Sie sind nicht krank, sie verfügen einfach nur über sehr feine Fühler.

 

Erwachsene ziehen sich meistens automatisch zurück, wenn sich eine Reizüberflutung ankündigt, zum Beispiel nach einem Shoppingausflug oder einer großen Familienfeier. Diese "Auszeit" ist wichtig, um die eigene Gefühlswelt zu ordnen.

 

Kinder wissen nicht, was mit ihnen los ist und was sie in so einer Situation brauchen: Sie sind überwältigt von den vielen Farben, Lichtern, Geräuschen, Stimmen, Gerüchen, Gefühlen und Stimmungen, welche sie zum Beispiel bei einem Ausflug in die City aufschnappen. Es prasseln so viele Reize auf die Kleinen ein, dass sie oftmals nicht wissen, wo ihnen der Kopf steht.

Sie reagieren dann, je nach Charakter entweder mit Konzentrationsproblemen, Nervosität, frechen Sprüchen, Arbeitsverweigerung, Traurigkeit, körperlichen Beschwerden oder mit Rückzug in ihre Gedankenwelt.

 

Wichtig ist hier, dass man die Kinder nicht alleine lässt mit diesem "zu viel" an Gefühl. Was sie jetzt ganz dringend brauchen: Eine liebevolle Umarmung und empathisches Verhalten.

Spielerisch kann man, sobald sich die Lage etwas beruhigt hat, in Erfahrung bringen, was der Auslöser für diesen "Gefühlsausbruch" war. So kann man schließlich gemeinsam mit den Kindern an einer Möglichkeit arbeiten, mit der sie lernen können, ihre vielen Gefühle und Eindrücke besser zu verstehen und zu verarbeiten. Das geht zum Beispiel durch rechtzeitige Vorbereitung auf bevorstehende Ereignisse oder ein Ausgleich zum reizüberfluteten Alltag, wie zum Beispiel mit einem Spaziergang durch die Natur, Sport oder durch ein kreatives Hobby.

Feedback

  • Kennst du hochsensitive Menschen?
  • Bist du selber hochsensitiv?
  • Wie erlebst du deine Hochsensitivität?
  • Welche Fragen beschäftigen dich zu diesem Thema?

Wenn du magst, dann schreib mir deine Erfahrungen, Erlebnisse und Fragen in die Kommentare.


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