Wie erklärt man einer anderen Person, was Hochsensibilität ist?
Und wie sind die Reaktionen darauf?
Meine Erfahrungen: Ahnungslose Gesichter, desinteressiertes Nicken und Sprüche wie: „Ja und, ich bin auch sensibel und stell mich nicht so an!“,
"Steiger dich da doch nicht so rein!", "Dein Verhalten ist nicht normal!",
Nicht verstanden zu werden ist das eine, Sprüche zu erhalten, die Betroffenen das Gefühl geben falsch zu sein, ist eine verletzende Erfahrung.
Nicht jeder Mensch ist fähig dazu, einfühlsam und verständnisvoll zu reagieren oder über den Tellerrand hinauszuschauen. Das ist eine Tatsache, mit der jeder lernen muss, umzugehen.
Wer wirklich wissen möchte, was Hochsensibilität ist und warum es sich dabei um etwas anderes als Sensibilität und Hochsensitivität handelt, dem gebe ich in diesem Beitrag einen kleinen Überblick:
- Sensibel und empfindlich
- Hochsensibel mit feinfühliger Wahrnehmung
- Hochsensitiv und rational nicht erklärbar
Sensibel und empfindlich
Jeder sensible Mensch hat in seinem Leben schon mal den Spruch hören müssen: "Sei nicht so empfindlich!"
Fandest du diesen Spruch in deiner Situation angemessen?
Hat dir dieser Spruch in irgendeiner Weise geholfen? Nach einem Jobverlust? Einer Trennung?
Eher weniger.
Man vermittelt dir damit nur das Gefühl, dass deine Gefühle falsch sind, unangebracht und total übertrieben.
Das kann sehr verletzend sein.
Oft bekommen Kinder so einen Spruch zu hören, die wegen jeder vermeintlichen Kleinigkeit anfangen zu weinen (meistens von Menschen, die genervt oder überfordert davon sind und überhaupt nicht verstehen, warum das Kind so einen Gefühlsausbruch hat).
Das Warum verstehen:
- Weint das Kind, weil es Angst hat (vor der Spritze beim Arzt, vor einer neuen Situation, vor einer anderen Person)?
- Oder weil es sich verletzt hat?
- Fühlt es sich alleine (weil man ihm nicht zuhört oder weil man sein Problem nicht versteht)?
- Ist es wütend (auf sich selbst, auf andere oder ohne überhaupt selber zu wissen, warum)?
Weinen ist übrigens eine menschliche Reaktion auf starke Emotionen, wie zum Beispiel bei Überforderung, Hilflosigkeit, Wut, Trauer und Enttäuschung, nicht nur bei Kindern.
Weinen hat absolut nichts mit Schwäche zu tun. Natürlich ist es total normal, dass Jungs und Männer ebenso weinen, wie Mädchen und Frauen.
Sensible Menschen reagieren auf gewisse Situationen empfindlicher als andere, empfinden möglicherweise schneller Schmerzen und reagieren schneller mit Tränen.
Das manche sensibler empfinden ist aber gar nicht schlimm oder unnormal, denn jeder Mensch ist individuell und reagiert anders. Wichtig ist nur, dass man die eigenen Gefühle sowie die, der anderen ernst nimmt und nicht schlecht oder kleinredet.
Sensibel und trotzdem unsensibel
Sensible Menschen sind nicht automatisch auch empathisch.
Personen, die sich über die unsensible Art der anderen beklagen, verfügen oft ebenfalls über mangelndes Fingerspitzengefühl in sozialen Situationen.
„Sensibel zu sein, heißt nämlich nicht automatisch auch „sensibel“ wahrzunehmen.“, so erklärt es die soziale Verhaltenswissenschaftlerin Birgit Trappmann-Korr in ihrem Buch „Hochsensitiv: Einfach anders und trotzdem ganz normal“.
Hochsensibel mit feinfühliger Wahrnehmung
Hochsensibilität ist grob gesagt eine Steigerung zur "normalen" Sensibilität.
Hochsensible Menschen haben sehr ausgeprägte 5 Sinne. Sie nehmen dadurch ihre Umgebung viel feinfühliger wahr, als andere: Sie beobachten aufmerksamer, riechen, schmecken, hören und fühlen intensiver. Mehr Reize bedeutet auch: schneller erschöpft.
Der Besuch in einem Einkaufszentrum kann für feinfühlige Menschen daher sehr überfordernd sein: Zu viele Stimmen reden durcheinander, zu laute Musik, zu viele unterschiedliche Geräusche, zu viele Gerüche, unangenehme Gerüche, zu grelle Beleuchtungen, zu viele negative Schwingungen, zu viele Eindrücke.
Hochsensible Menschen sind in der Regel auch sehr empathisch und nehmen die Gefühle der Personen um sie herum deutlich wahr. So kann es passieren, dass sie sich von den schlechten Gefühlen anderer oder ihrer Negativität, mitreißen lassen und ganz plötzlich selber schlecht gelaunt sind.
Hochsensitiv und rational nicht erklärbar
Hochsensitivität kann man als eine Art Erweiterung zur Hochsensibilität verstehen.
Betroffene haben zu ihrer sehr ausgeprägten, feinfühligen Wahrnehmung auch noch eine sehr starke Intuition, einen sogenannten 6. und 7. Sinn: Sie riechen den Regen, bevor er aus den Wolken bricht, sie riechen Feuer, bevor es brennt, sie können negative Ereignisse vorausahnen.
Hochsensitive Menschen spüren etwas, bevor es passiert. Das passiert unbewusst und ist nicht planbar. Es kann ein allgemeines, ungutes Gefühl sein, ohne zu wissen, auf welche Situation es sich bezieht, es kann aber auch ein starkes Gefühl sein wie: "Wenn ich dort hingehe, wird mir etwas passieren!"
Diese besondere Gabe kann man rational, also logisch, nicht erklären.
Eine weitere Fähigkeit von hochsensitiv fühlenden Personen: Sie können die Gefühle von anderen Personen in einem Raum aufnehmen, sogar dann, wenn diese gar nicht mehr anwesend sind.
So ist es mir einmal passiert, als ich nach der Berufsschule nach Hause gekommen: Eigentlich war ich gut gelaunt und freute mich über meinen freien Nachmittag. Doch sobald die Tür zur Wohnung geöffnet war, überkam mich eine unerklärliche Traurigkeit. Ich musste augenblicklich anfangen zu weinen.
Am Abend erfuhr ich den Grund für meinen plötzlichen Gefühlswechsel: Meine Mutter hatte, wenige Stunden zuvor weinend und mit großen Schmerzen die Wohnung verlassen, um zur Arbeit zu gehen.
Bei unserem Gespräch über meine Wahrnehmung und ihre Gefühle überkam uns beide eine Gänsehaut.
Fazit
Sensible Menschen reagieren empfindlicher in bestimmten Situationen.
Mögliche Merkmale:
- Schmerzempfindlichkeit
- schnell gereizt
- fühlt sich schnell angegriffen
- es läuft schneller mal ein Tränchen über die Wange
Sensibel zu sein, ist total normal. Wichtig ist nur, dass man die eigenen und die Gefühle der anderen ernst nimmt und nicht schlecht oder kleinredet.
Sensible Menschen sind übrigens nicht automatisch auch empathisch. Auch ihnen fehlt es oft am nötigen Fingerspitzengefühl anderen gegenüber.
Hochsensible Menschen nehmen mit allen 5 Sinnen viel intensiver wahr und sind in der Regel auch sehr empathisch. Dadurch, dass sie bedeutend mehr Eindrücke sammeln, fühlen sie sich schneller erschöpft und ziehen sich zurück, um zur Ruhe zu kommen.
Es kann passieren, dass sie sich von der Negativität anderer, mitreißen lassen und ganz plötzlich selber schlecht gelaunt sind.
Hochsensitive Menschen empfinden wie hochsensible Menschen und verfügen zudem noch über einen 6. und 7. Sinn. Das bedeutet, sie spüren etwas, bevor es passiert. Das passiert unbewusst und ist nicht planbar. Die Vorahnungen können allgemein sein oder auch konkret. Die Hochsensitivität ist eine nicht rational erklärbare Art der Wahrnehmung.
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